Blog

Wichtige Neuerungen im Steuerrecht 2020/2021

Änderungen in der Gesetzgebung führen gerade für die Einkommensteuerveranlagung 2021 zu vielen kleinen Neuerungen vor allem bei Eltern und Arbeitnehmern.

Viele Einzelaspekte unserer stark geänderten Lebensumgebung hat die Regierung aufgenommen und im Steuerrecht verankert. Grundsätzlich werden die geringeren Einkommensschichten und Kinderhaushalte merklich entlastet. „Der ‚große Wurf‘ einer Modernisierung des Steuersystems war ohnehin in Corona- Zeiten und vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen nicht zu erwarten. Bislang stellt sich mir jedoch die Frage, ob auf Ebene der Unternehmensbesteuerung nicht noch nachgebessert werden sollte. Hier besteht aktuell dringender Handlungsbedarf“, sagt Steuerberater Sven Sieslack. „Eine nachhaltige Entlastung des Mittelstandes sichert Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit unserer Volkswirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Krisenzeiten hängt im Wesentlichen von der vorhandenen Liquidität und einem effektiven sowie effizienten Businessdesign ab.“ In betroffenen Krisenbranchen versucht die Bundesregierung Liquiditätsengpässe der Unternehmen durch Überbrückungshilfen abzufedern. Hier fungieren Steuerberater als Bindeglied zwischenden auszahlenden Stellen und den Betrieben, da diese Hilfen allein durch registrierte Steuerberater und Rechtsanwälte beantragt werden können.

Änderungen für alle Steuerpflichtige

Familien und Menschen mit Behinderung werden ab Januar 2021 steuerlich entlastet. Mit Wirkung ab Januar 2021 wurde der steuerliche Grundfreibetrag für das Jahr 2021 auf 9744 Euro sowie um weitere 240 Euro auf dann 9984 Euro in 2022 angehoben. Bei einer Zusammenveranlagung gelten bei Ehepartnern oder Lebenspartnern jeweils doppelte Beträge. Ferner stiegen der Kinderfreibetrag und der Betreuungsfreibetrag um jeweils 144 Euro auf insgesamt 4194 Euro. Gleichzeitig ergibt sich ab Januar 2021 eine Erhöhung des Kindergeldes um 15 Euro monatlich je Kind. Das Kindergeld im Jahr 2021 beträgt damit für das erste und zweite Kind jeweils 219, für das dritte Kind 225 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 250 Euro pro Monat. Im Behinderten- Pauschbetragsgesetz werden die Behinderten-Pauschbeträge abdemJahr 2021 verdoppelt und ein behinderungsbedingter Fahrtkosten-Pauschbetrag eingeführt.

Teilabschaffung des Solidaritätszuschlages

Ab dem 1.1.2021wirdder Solidaritätszuschlag nur noch erhoben, wenn die tarifliche Einkommensteuer den Betrag von 16.956 bzw. bei Zusammenveranlagung von 33.912 Euro übersteigt. Oberhalb dieser Freigrenzen wurde eine Milderungszone mit einer teilweisen Entlastung eingeführt. Analog hierzu werden die Freigrenzen im Lohnsteuerabzug entsprechend angehoben. Der Zuschlagssatzbleibt unverändert bei 5,5 %.

Verlängerung von Abgabe- und
Stundungsfristen

Die Abgabefrist für durch Steuerberater erstellte Steuererklärungen 2019 wird bis zum 31.8.2021 verlängert. Außerdem werden nach der Mitteilung des BMF am 4.12.2020 auch Stundungsmöglichkeiten verlängert. Steuerpflichtige, die durch die Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ wirtschaftlich betroffen sind, könnenbei ihrem Finanzamt bis zum 31.3.2021 einen Antrag auf Stundung stellen. Die Stundungen laufen dann laut Ministerium längstens bis zum 30.06.2021.

Änderungen für Arbeitnehmer

Arbeitszimmer und Arbeitswege

Seit dem Jahr 2020 kann auf Grundlage des Jahressteuergesetzes 2020 ein pauschaler Werbungskostenabzug als sog. Homeoffice-Pauschale vorgenommenwerden.Unabhängig von den strengen Voraussetzungen eines häuslichen Arbeitszimmers können pro Kalendertag der Arbeit von zu Hause 5 Euro, jedoch höchstens 600 Euro berücksichtigt werden. Als Ausgleich für Fernpendler wurde die Entfernungspauschale (Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) befristet für den Zeitraum von 2021 bis 2023 ab dem 21. Kilometer um 5 Cent auf 0,35 Euro angehoben. Auf den ersten 20 Kilometern gilt weiterhin der Abzug von 0,30 Euro je vollenKilometer. Ferner bleibt auch die Höchstgrenze von 4500 Euro bestehen.

Verlängerung der steuer- und sozialversicherungsfreien Corona-Sonderzahlung

Die Zahlungsfrist für die Steuerbefreiung von Corona-Sonderzahlungen verlängert sich noch bis zum 30.6.2021. Damit wird Arbeitgebern mehr Zeit für die Auszahlung des Bonus eingeräumt und eine eventuell erforderliche Vorfinanzierung verhindert. Die Fristverlängerung führt nicht dazu, dass im ersten Halbjahr 2021 nochmals 1500 Euro steuerfrei ausgezahlt werden können. Auch als Gesellschafter-Geschäftsführer ist die Auszahlung des steuerfreien Corona-Bonus möglich!

Änderungen für Unternehmen

Fristverlängerung für Investitionsabzugsbetrag
und § 6b-Rücklage

Die investitionsfristen bzw. Reinvestitionsfristen der steuerlichen Rücklagen nach § 6b und § 7g EStG wurden durch das zweite Corona- Steuerhilfegesetz jeweilsumein Jahr verlängert. Die Verlängerungen sollen die Liquidität der Unternehmen steigern und die im Jahr 2020 ausgelaufenen Fristen verlängern. Durch das Jahressteuergesetz wurde der Investitionsabzugsbetrag ab 2020 ferner flexibler gemacht. Bisher waren nur Wirtschaftsgüter begünstigt, die im Jahr der Investition und im Folgejahr zu mindestens 90 % betrieblich genutzt wurden. Nun sind auch in diesem Zeitraum vermietete Wirtschaftsgüter berücksichtigungsfähig. Ferner wurden die begünstigten Investitionskosten von 40 auf 50%angehoben. Ab dem Jahr 2020 gilt für alle Einkunftsarten eine einheitliche Gewinngrenze von 200.000 Euro zur Inanspruchnahme eines Investitionsabzugsbetrages. „Lassen Sie sich von Ihrem Steuerberater hierzu beraten!“, so Sven Sieslack.

Befristete degressive Afa

Für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31.12.2019 und vor dem 1.1.2022 angeschafft oder hergestellt werden, wurde mit dem zweiten Corona- Steuerhilfegesetz die Möglichkeit der degressiven Afa eingeführt. Sie können somit statt in gleichen Jahresbeträgen mit einem festen Prozentsatz vom Buchwert abgeschrieben werden. Hierbei gilt, je länger die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer ist, umso deutlicher wirkt sich der Effekt der degressiven Afa aus.

Hinweise für Vermieter

Bei problematischer Kaufpreisaufteilung für bebaute Grundstücke besteht Handlungsbedarf! Werden bebaute Grundstücke gekauft, ist es steuerlich meistens erforderlich (z. B. zur Berechnung der Gebäudeabschreibung), den Kaufpreis dem Grund und Boden sowie dem Gebäude (zum Teil auch anderen miterworbenen Wirtschaftsgütern) zuzuordnen. Haben Käufer und Verkäufer bereits eine Aufteilung vorgenommen, ist daran anzuknüpfen, wenn sie nicht nur zum Schein erfolgt, keinen Gestaltungsmissbrauch darstellt, nicht offensichtlich unangemessen und unhaltbar ist. Für die Angemessenheitsprüfung ist die Wahl des sachgerechten Bewertungsverfahrens bedeutsam. Bei anstehenden Immobilienkäufen sollte Wert auf die Kaufpreisaufteilung gelegt werden, die Eingang in den Grundstückskaufvertrag findet. Um einer Verwerfung durch die Finanzverwaltung vorzubeugen, ist es ratsam, die Herleitung der Kaufpreisbestandteile nachvollziehbar zu dokumentieren. Im Zweifel ist das Gutachten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für die Bewertung von Grundstücken einzuholen. Gutachten eines sachverständigen Bediensteten der Finanzverwaltung sind im Steuerrechtsstreit lediglich als Parteivorbringen zu werten. „Bitte setzten Sie sich vor Unterzeichnung eines Ankaufsvertrages mit Ihrem Makler, Bankberater oder IhremSteuerberater zur Abstimmung der Aufteilung in Verbindung! Die Aufteilung kann nicht nachträglich erfolgen!“, so Sven Sieslack. „Auch für die Bestimmung der zu zahlenden Grunderwerbsteuer berät Sie Ihr Steuerberater vor Abschluss des Kaufvertrages.“

 

Sieslack Steuerberater – wir sind für Sie da!

Individuelle Beratung
Persönliche Betreuung
Stets aktuelle Fachkompetenz
Überregionalität
Termintreue
Verschwiegenheit